Eiszeit!

Leben in der Eiszeit

 

Als die Kunstwerke aus den "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" gefertigt wurden, zeigte Mitteleuropa ein ganz anderes landschaftliches Gesicht als heute. Vor 40.000 Jahren herrschte Eiszeit! Im späten Pleistozän - wie das Eiszeitalter in der Fachsprache heißt - war die Schwäbische Alb eine Steppen- und Tundrenlandschaft, in der eiszeitliche Tiere wie Mammuts, Rentiere oder Höhlenbären lebten.

 

 

Klimadaten aus dem Vostok-Eisbohrkern der Antarktis zeigen die sich ständig verändernden Durchschnittstemperaturen während des späten Eiszeitalters. Das Aurignacien dauerte von ca. 43.000 bis 33.000 Jahren vor heute - eine Zeit mit starken Klimaschwan
Klimadaten aus dem Vostok-Eisbohrkern der Antarktis zeigen die sich ständig verändernden Durchschnittstemperaturen während des späten Eiszeitalters. Das Aurignacien dauerte von ca. 43.000 bis 33.000 Jahren vor heute - eine Zeit mit starken Klimaschwankungen.

Rauf und runter - Eiszeitklima!

 

Die Kaltzeit, in der die Jäger und Sammler des Aurignacien in Mitteleuropa lebten, ist die sogenannte Würm-Eiszeit (in Nordeuropa Weichsel-Eiszeit genannt). Dieses Würm-Glazial war die letzte Kaltzeit des Pleistozäns. Sie begann vor ca. 115.000 Jahren und endete vor ca. 11.600 Jahren mit dem Beginn des Holozäns, jener Warmzeit, in der wir heute noch leben. Eisbohrkerne aus Grönland und der Antarktis zeigen, dass starke klimatische Schwankungen diese letzte Kaltzeit prägten. Auch wenn es immer wieder vergleichsweise mildere Phasen (sogenannte Interstadiale) gab, so war es insgesamt deutlich kälter als heute. Die Gletscher reichten über die Alpen hinaus, so dass beispielsweise das Areal des heutigen Bodensees damals unter dem Eis lag.

 

 

Ein Rentier in Zentral-Alaska. Während der Eiszeit streiften diese Tiere auch über die Schwäbische Alb.
Ein Rentier in Zentral-Alaska. Während der Eiszeit streiften diese Tiere auch über die Schwäbische Alb.

Steppe und Tundra - Mammut und Rentier

 

Die Pflanzen- und Tierwelt der Eiszeit Mitteleuropas war eine komplett andere als unsere heutige. Eine ausgedehnte Bewaldung, wie wir sie kennen, gab es nicht. Lediglich in den gemäßigten Phasen breiteten sich in Mitteleuropa Kiefern- und Birkenwälder aus. In den Kältephasen gab es eine ausgedehnte Steppen- und Tundrenlandschaft mit nur vereinzelten „Bauminseln“. Oft wird diese besondere eiszeitliche Landschaft auch als eurasische Mammutsteppe bezeichnet, da hier eiszeitliche Herdentiere wie das Mammut weideten. Eine Landschaft dieser Art gibt es heute nicht mehr.

 

Während des Würm-Glazials lebten in Mitteleuropa Großtiere, die an die steppenartige Umwelt angepasst waren, wie Mammut, Wollnashorn, Rentier, Riesenhirsch, Steppenbison und Pferd. Ebenso gab es eine Vielzahl von Raubtieren wie Höhlenlöwe, Höhlenhyäne, Wolf oder Eisfuchs. Hinzuzufügen wäre noch der Höhlenbär, der nach zoologischer Systematik zwar ein Raubtier, tatsächlich aber ein reiner Pflanzenfresser war.

 

 

Rekonstruierte Eiszeit-Landschaft der Schwäbischen Alb mit den Alpengletschern im Hintergrund. Das Achtal ist im Vordergrund zu sehen.
Rekonstruierte Eiszeit-Landschaft der Schwäbischen Alb mit den Alpengletschern im Hintergrund. Das Achtal ist im Vordergrund zu sehen.
Steingeräte und Geschossspitzen aus Mammutelfenbein.
Steingeräte und Geschossspitzen aus Mammutelfenbein.

Paläolithische Jäger und Sammler

 

Die Menschen der Eiszeit lebten als nicht-sesshafte Jäger und Sammler. Ihre zahlreichen Hinterlassenschaften, die Archäologen nicht nur in Höhlen der Schwäbischen Alb, sondern in vielen Fundstellen in ganz Europa entdeckten, gehören in das sogenannte Paläolithikum - die Altsteinzeit.

Wie der Begriff Steinzeit andeutet, handelt es sich beim größten Teil der erhaltenen Werkzeuge um Steingeräte. Doch daneben finden sich in den archäologischen Überresten auch Geräte aus Knochen, Geweih und Elfenbein. Zudem sind Nahrungsabfälle in Form von Knochenresten der Jagdbeute überliefert. All diese Funde geben uns detaillierte Aufschlüsse über das alltägliche Leben dieser Menschen in der Eiszeit.

Mit und ohne Dach - Eiszeitliche Siedlungslandschaften

 

Eingebettet sind die archäologischen Funde des Paläolithikums stets in ein regionales Siedlungsmuster, welches sich saisonal unterscheiden kann. Den eiszeitlichen Jäger- und Sammlergruppen am ähnlichsten dürften rezente arktische und subarktische Naturvölker sein. Von diesen ist bekannt, dass verschiedene Lagerplätze ganz unterschiedliche Funktionen haben können. Entsprechend lassen sich auch eiszeitliche Fundstellen bestimmten Kategorien von Lagerplätzen zuweisen. Diese unterscheiden sich hinsichtlich der stattgefundenen Aktivitäten und der Belegungsdauer. Hierzu gehören z.B. sogenannte Basislager, die über längere Zeiträume – Wochen oder gar Monate – von einer Jäger-Sammler-Grupper genutzt worden sind, oder „Versammlungsplätze“, die von mehreren Gruppen zu Großereignissen wie z.B. einer gemeinsamen Jagd aufgesucht wurden. Daneben gab es kurzzeitig belegte Lagerplätze – z.B. Jagdlager, in denen sich nur wenige Personen während einzelner Jagdereignisse aufhielten.

Die Verknüpfung mehrerer „gleichzeitig“ (bzw. innerhalb der gleichen „Epoche“) besiedelter Fundstellen kann so ein Bild eines eiszeitlichen Landnutzungssystems ergeben. Selbst wenn das komplette Repertoire unterscheidbarer „Lagerplatztypen“ in einer bestimmten Region fehlt, so müssen Jäger-Sammler-Fundstellen immer im Kontext eines solchen (wenn auch unbekannten) Siedlungssystems von hochmobilen Jägern und Sammlern gesehen werden.

Vereinfachtes Schema eines Siedlungsmusters eiszeitlicher Jäger und Sammler. Die Menschen nutzten neben Höhlen auch Lager unter freiem Himmel.
Vereinfachtes Schema eines Siedlungsmusters eiszeitlicher Jäger und Sammler. Die Menschen nutzten neben Höhlen auch Lager unter freiem Himmel.
Die Stadel-Höhle im Hohlenstein im Winter.
Die Stadel-Höhle im Hohlenstein im Winter.

Die Höhlen im Zentrum

 

Das reichhaltige Fundspektrum der "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" zeigt die zentrale Stellung dieser Fundplätze im Siedlungsmuster der eiszeitlichen Menschen an. Neben dem täglichen Jagen und Sammeln haben die Menschen Kunstobjekte hergestellt und in den Höhlen musiziert. Diese Aktivitäten sind – im Gegensatz zur reinen Sicherung der Lebensgrundlage – entweder zu den Bereichen Glaube und Kult zu zählen oder vielleicht als einfache „Freizeitbeschäftigung“ anzusehen. Jedenfalls sind diese Lebensbereiche in der Regel nicht auf kurzzeitigen Lagerplätzen, wie z.B. reinen Jagdlagern einer kleineren Jägergruppe, nachweisbar. Sie sind eher Bestandteil von Basislagern oder anderen (z.B. religiösen) Orten mit herausragender Bedeutung. Auch wenn die einzelnen Belegungen der jeweiligen Höhlen sehr unterschiedlich sein konnten, so waren sie ganz sicher zentrale Plätze im Rahmen größerer Siedlungssysteme.