Forschung

Über 100 Jahre Forschung

 

Die erste Erforschung des Paläolithikums in Baden-Württemberg ist eng mit den frühesten Ausgrabungen in den Höhlen der Schwäbischen Alb verbunden. Seit den ersten Grabungen in den 1860er Jahren - damals noch unter rein paläontologischen Fragestellungen - hat sich derweil viel getan. Mit der stetigen Weiterentwicklung der Grabungsmethodik und wissenschaftlicher Analysemethoden wuchs auch unser Wissen über die frühesten modernen Menschen. Heutige Erkenntnisse lassen viele Interpretationen und tiefgreifende Forschungsdiskussionen über Kunst, Kultur und Religion der damaligen Jäger und Sammler zu.

 

 

Erste Meilensteine

 

Bereits Mitte der 1860er Jahre untersuchte Oscar Fraas unter paläontologischen Fragestellungen die Bärenhöhle und die Stadel-Höhle im Hohlenstein sowie den Hohle Fels. Er erkannte bei diesen Ausgrabungen auch die archäologische Relevanz dieser Fundstellen. Im Jahre 1906 untersuchte Robert Rudolph Schmidt den Sirgenstein und wenig später weitere paläolithische Fundstellen auf der Schwäbischen Alb. Er glich die Bezeichnung der chronologischen Schichtenabfolge der von ihm gegrabenen Fundstellen an jene der für die französischen paläolithischen Fundstellen bereits etablierten Terminologie an. Zwar sind Schmidts Bezeichnungen später teils revidiert und an Erkenntnisse der jüngeren Forschung angeglichen worden, doch es bleibt zweifelsohne Schmidts Pionierleistung, die überregionalen Zusammenhänge als Erster erkannt zu haben.

 

 

Bahnbrechende Funde

 

Weitere für das Paläolithikum Europas zentrale Ausgrabungen fanden durch Gustav Riek 1931 an der Vogelherdhöhle und zwischen den Jahren 1935 und 1939 am Hohlenstein durch Robert Wetzel und Otto Völzing statt. Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten der weltweit bekannten Elfenbeinschnitzereien entdeckt. Nicht zuletzt durch diese Funde zeigte sich die herausragende Bedeutung der Höhlen auf der Schwäbischen Alb für die Erforschung des Aurignacien.

Robert Wetzel forschte auch nach Kriegsende weiter am Hohlenstein und am Bockstein-Komplex. Spätestens diese Arbeiten verdeutlichten, dass die Fundstellen auch für die Erforschung der Zeit des Neanderthalers von zentraler Bedeutung sind.

 

 

Neue Methoden - neue Erkenntnisse

 

Die 1970er und 1980er Jahre sind vor allem durch die Forschungen von Joachim Hahn geprägt. Die Ergebnisse seiner systematischen Ausgrabungen unter Anwendung moderner Grabungsmethodik sowie die Funde aus dem Geißenklösterle und aus dem Hohle Fels unterstrichen die internationale Bedeutung der Fundstellen auf der Schwäbischen Alb.

Der neueste Abschnitt der Erforschung ist durch eine extrem präzise Dokumentation der Funde, Befunde und Schichten geprägt. Dadurch werden auch kleinste Fragmente von Funden geborgen und dokumentiert. Vor allem sind hierbei die Arbeiten von Nicholas Conard im Geißenklösterle, im Hohle Fels und im Grabungsabraum der Riek’schen Vogelherdgrabung sowie die Untersuchungen von Claus-Joachim Kind in der Hohlenstein Stadel-Höhle zu nennen. Bei diesen Ausgrabungen kamen einerseits zahlreiche neue Elfenbeinfiguren zutage, andererseits konnten andere außergewöhnliche Funde, wie z.B. der Löwenmensch, durch Anpassung weiterer Fragmente vervollständigt werden. Ebenso bedeutsam sind die Funde von mehreren Knochen- und Elfenbeinflöten in den Schichten des Hohle Fels, des Geißenklösterle und der Vogelherdhöhle.