Höhlen

Sechs Höhlen in zwei Tälern

 

Charakteristische Fundinventare des Aurignacien, bestehend aus typischen Stein- und Knochengeräten sowie Schmuck- und Kunstobjekten, wurden bislang in sechs Höhlenfundstellen der Schwäbischen Alb gefunden. Diese liegen in Talabschnitten der Flüsse Ach (ca. 15 km westlich von Ulm) und Lone (ca. 20 km nordöstlich von Ulm). Es handelt sich um das Geißenklösterle, die Sirgensteinhöhle und den Hohle Fels im Achtal sowie die Vogelherdhöhle, die Stadel-Höhle im Hohlenstein und die Bocksteinhöhle im Lonetal.

 

 

Geißenklösterle

 

Das Geißenklösterle liegt südwestlich von Blaubeuren am südlichen Rand eines großen Felsmassivs, dem Bruckfelsen. Es befindet sich etwa 60 m über der Ach und in 585 m ü. NN am südöstlichen Talhang. Der heutige Höhleneingang ist nach Westen hin ausgerichtet und befindet sich in einer Nische am südlichen Rand eines Felskessels. Dieser Kessel war ursprünglich wahrscheinlich eine große Höhlenhalle, die vermutlich bereits in der Eiszeit eingestürzt ist. Am südwestlichen Rand des Kessels befindet sich noch heute ein Durchgang, welcher vielleicht der ursprüngliche Eingang in die große Höhlenhalle war.

Hohle Fels

 

Die Höhle im Hohle Fels liegt nordöstlich von Schelklingen am südöstlichen Talrand der Ach, etwa 7 m über dem Fluss und auf 534 m ü. NN. Der Höhleneingang öffnet sich nach Norden zu einem ca. 7 mal 10 m großen Vorplatz. Der Eingangsbereich der Höhle besteht aus einem fast 30 m langen Gang, der sich im hinteren Bereich zu einem etwa 10 m breiten Raum – dem sogenannten Korridor – weitet. Hinter dem Korridor gelangt man in die eigentliche Höhlenhalle, die etwa 25 mal 25 m groß und stellenweise bis zu 30 m hoch ist. Innerhalb der Halle steigt ein Schuttkegel zum hinteren Bereich hin an. An den Seiten befindet sich je ein Gang von etwa 10-15 m Länge.

Sirgenstein

 

Die Höhle im Sirgenstein befindet sich südwestlich von Blaubeuren auf der nordwestlichen Seite der Ach, etwa 35 m über dem Tal und auf 565 m ü. NN. Der ca. 5 m breite Eingang zeigt nach Süden. Vor der Höhle befindet sich ein ebener etwa 7 mal 14 m großer Vorplatz. Der breite Höhlengang knickt nach gut 10 m rechts in Richtung Nordosten ab und führt nach weiteren 20-30 m in eine kuppenartige Halle mit zwei Öffnungen in der Decke. Im hinteren Teil der Höhle liegen große Versturzblöcke, hinter denen sich der Höhlengang möglicherweise fortsetzt.

Vogelherd

 

Der Vogelherd befindet sich nordwestlich von Niederstotzingen auf der Südseite des Lonetals. Direkt unterhalb des Vogelherds trifft ein von Süden kommendes Trockental auf das Lonetal, so dass man von der Höhle eine gute Rundumsicht auf die Tallandschaft hat. Die Höhle liegt knapp 20 m über dem Tal auf einer Höhe von 480 m ü. NN. Der etwa 50 m lange Höhlenraum besitzt zwei Hauptzugänge – den Südwest- und den Südeingang. Daneben gibt es eine kleine Öffnung in Richtung Norden, die aber nicht begehbar ist.

Hohlenstein Stadel-Höhle

 

Der Hohlenstein ist ein Felsmassiv am südlichen Rand des Lonetals nordwestlich von Asselfingen, das sich nur wenige Meter über dem Tal befindet. Zwei Höhlen öffnen sich nebeneinander nach Norden: die Bärenhöhle und die Stadel-Höhle. Während aus der Bärenhöhle noch kein Nachweis von figürlicher Kunst vorliegt, ist die Stadel-Höhle mit ihren Funden ein bedeutender Fundort für das schwäbische Aurignacien.

Der fast 10 m breite Höhleneingang des Stadels liegt etwa 5 m über dem Tal auf 470 m ü. NN. Der Gang erstreckt sich in südlicher Richtung auf einer Länge von ca. 70 m recht geradlinig in den Fels. Im hinteren Teil der Höhle bilden zwei gegenüberliegende Nischen eine kleine Kammer – die sogenannte „Kammer des Löwenmenschen“. In diesem Bereich steigt der noch original erhaltene Höhlenboden stark an und führt durch eine Verengung in einen weiteren sehr flachen Raum.

Bockstein

 

 

Über einem Talkessel des Lonetals, nördlich der Gemeinden Rammingen und Öllingen, liegt am östlichen Talhang der sogenannte Bocksteinkomplex, ein Felsmassiv mit mehreren Höhlen und einem Felsdach. Von den verschiedenen Fundstellen, die etwas über 10 m über dem Tal und 495 m ü. NN liegen, blickt man in südwestlicher Richtung in das Tal.

Die Fundstellen des Bocksteinkomplexes sind vor allem für das Mittelpaläolithikum – die Zeit des Neanderthalers – von europaweiter Bedeutung. In der Bocksteinhöhle – genauer gesagt am Bocksteintörle, dem originalen Eingang zur Höhle – konnten auch Fundschichten des Aurignacien freigelegt werden. Der heutige große Eingang zur Höhle ist das Ergebnis einer Sprengung im 19. Jahrhundert.