Landschaft

Ungestörte Landschaften

 

Die Welterbestätte "Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb" befindet sich in zwei Talabschnitten auf der Schwäbischen Alb. Die regionale Konzentration von archäologischen Fundstellen mit Hinterlassenschaften des Aurignacien ist etwas Einzigartiges. Sie unterstreicht die Bedeutung dieser Landschaft für die eiszeitlichen Menschen.

 

Auch heute noch sind die Täler von Ach und Lone besondere, in weiten Teilen naturbelassene Orte. Die Landschaft hat sich im Laufe der Jahrtausende zwar verändert, die ungestörten Blickbeziehungen ermöglichen es jedoch nach wie vor, die Landnutzung des eizeitlichen Menschen nachzuvollziehen. Wir können erahnen, wie paläolithische Jäger und Sammler auf der Jagd nach Rentieren und Pferden von Höhle zu Höhle zogen.

 

 

Eine Naturlandschaft mit langer Geschichte

 

Die Schwäbische Alb erstreckt sich quer durch Süddeutschland, vom Hochrhein im Südwesten bis zum Nördlinger Ries im Nordosten. Als sich vor ca. 60 Mio. Jahren verschiedene europäische Gebirge auffalteten – darunter die Alpen – entstand dieses Mittelgebirge. Die verschiedenen geologischen Vorgänge, die in Jahrmillionen auf die Schwäbische Alb einwirkten, führten zu Ablagerungen einer Vielzahl von Schichten. Die ältesten reichen bis an den Anfang des Jura vor ca. 200 Mio. Jahren zurück. In der jüngeren Erdgeschichte – zwischen ca. 20 und 12 Mio. Jahren vor heute – wurde die Landschaft vor allem durch das Kommen und Gehen von Wasser vergangener Ozeane und vulkanische Aktivitäten überformt. Der Zeitraum zwischen ca. 12 und 2,6 Mio. Jahren war hingegen von Verwitterungs- und Abtragungsprozessen geprägt. Gleichzeitig gruben sich in dieser Zeit Flüsse wie Donau, Ach und Lone in das Gestein, so dass die Schwäbische Alb das heutige Bild eines von Tälern durchzogenen Höhenzugs ausbildete.

 

 

 

Eine Kulturlandschaft als einzigartiges Archiv

Zwar war die Schwäbische Alb in der Eiszeit eine gänzlich unberührte Naturlandschaft, doch bereits in dieser Zeit nutzten die umherstreifenden Jäger und Sammler die Ressourcen der Region.

 

Neben der Verfügbarkeit von Jagdbeute bot die Region rund um die Welterbestätte "Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb" auch ein reichhaltiges Vorkommen von Rohmaterialien für die Herstellung von Steinwerkzeugen. Die verschiedenen Gesteine wurden von den Menschen gesammelt und zur weiteren Verarbeitung in die Höhlen gebracht. Ihre Herkunft zeigt uns heute die Nutzung der Landschaft durch die damaligen Menschen an.

 

Lagerstätten von Jägern und Sammlern sind stets im Kontext einer regionalen Landnutzung zu sehen. Für die Archäologie heißt dies, dass neben den bereits bekannten Fundstellen auch potentielle noch nicht entdeckte Fundorte bedacht werden müssen. Dadurch wird deutlich, dass nicht allein die Höhlen, sondern auch die ganze umliegende Landschaft Teil dieses einzigartigen wissenschaftlichen Archivs der Menschheitsgeschichte sind. 

 

Weitere Informationen zu paläolithischen Jägern und Sammlern und Siedlungssystemen in der Eiszeit finden sich in der Rubrik "Eiszeit!".